Warum Barcamps dich wirklich weiterbringen

Ich möchte zu Beginn einige Beobachtungen mit dir teilen, die ich vor allem im letzten Jahr wieder hatte. Grund dafür war, dass ich auf vielen Veranstaltungen im Channel unterwegs war. Es waren ganz verschiedene Veranstaltungen von vielen verschiedenen Veranstaltern. Das heißt, die Beobachtungen liegen nicht an einem speziellen Veranstalter. Der Aufbau der Veranstaltung war meist gleich: Keynotes, Vorträge, Networkingpausen und ein Ausstellungsbereich. Dazwischen pendelten die Teilnehmenden entsprechend der Agenda.

Das Paradoxon klassischer Konferenzen: Netzwerken statt Zuhören

Im Verlauf der Veranstaltung konnte ich jedes Mal beobachten, dass immer mehr Teilnehmende den Vorträgen fernblieben. Sie suchten lieber das Gespräch mit anderen Menschen vor den Veranstaltungsräumen. Jedes Mal, wenn ich Menschen fragte, was für sie das Beste an der Veranstaltung war, wurde überwiegend der Austausch mit Anderen genannt. Die Teilnehmenden haben sich sehr gefreut, alte und neue Menschen aus dem Channel zu sehen und sich mit ihnen auszutauschen. Das ist für viele auch der Hauptgrund, zur Veranstaltung zu gehen. Auf Platz zwei kam dann vorwiegend das Catering – und erst danach die Inhalte der Agenda.

Die zweite Beobachtung ist, dass bei vielen Vorträgen dann Schluss ist, wenn es eigentlich spannend wird. Wenn das Publikum in den Austausch geht. Miteinander interagiert. Diese Beobachtungen mache ich nun schon seit vielen Jahren. Es scheint mir, dass der Grund dafür das klassische Konferenzformat ist. Bei Veranstaltungen, die in Teilen von diesem abweichen, sehe ich die beschriebenen Punkte nicht so deutlich.

Wenn Hochglanz-Vorträge nicht mehr reichen

Das Problem verfolgt mich seit 2013. Es ist sicher noch relevant, warum ich zu solchen Veranstaltungen gehe: Ich bin immer auf der Suche nach neuem Wissen, Ideen und Inspiration. Damit ich meine Arbeit immer besser gestalten kann. Ich bin grundsätzlich sehr neugierig. Doch schon seit 2013 wird mein Bedürfnis durch Konferenzen nur sehr schlecht befriedigt. Ich glaube, das geht jedem von uns so, wenn wir eine gewisse Tiefe in einem Thema erreicht haben. Da helfen die Hochglanz-alles-lief-super-und-du-brauchst-nur-dieses-Tool-Vorträge nicht mehr. Die Probleme sind ganz andere. Genau diese kann ich dann in der Pause mit den anderen Teilnehmenden diskutieren. Das ist für viele der Grund, zur Konferenz zu gehen.

Die Pause zum Programm machen: Das Barcamp-Prinzip

Glücklicherweise stieß ich 2015 auf das Veranstaltungsformat „Barcamp“. Ich möchte dich gleich enttäuschen: Das hat nicht primär etwas mit der Verkostung alkoholischer Getränke zu tun. Zumindest nicht tagsüber. Ein Barcamp macht die Pause der Konferenz zum Programm. Es geht ausschließlich um den Austausch der Teilnehmenden untereinander. Keine Vorträge, keine Werbung und keine Sponsoren. Nur Diskussion und Austausch auf Augenhöhe. Egal, wie tief du in dem Thema steckst. Alle können etwas beitragen und alle nehmen Ideen und Inspiration mit.

Apropos Themen: Es gibt keine vorgefertigte Agenda! Diese erstellen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor Ort. Es gibt schon einen Zeitplan mit Slots à 45 Minuten. Dazwischen eine kurze Pause. Meist 2 bis 4 parallele Slots. In diesen Slots werden gemeinsam die Sessions geplant. Das heißt, alle haben zum Start die Möglichkeit, ihr Thema einzubringen. Egal ob es um eine Frage, eine Diskussion, ein Projekt oder andere austauschenswerte Informationen geht. Solange sie zum Thema des Barcamps passen.

Die Wahl, an welcher Session du teilnimmst, ist manchmal echt schwer. Daher ist es kein Problem, wenn du zwischen den Sessions wechselst und dich so an allen beteiligst. Zusätzlich wird jede Session dokumentiert und es gibt nach jeder Session eine Zusammenfassung. So bekommst du auch die Informationen aus den Sessions, an denen du nicht teilgenommen hast. Für mich ist das auch ein Stück MSP-Servicefabrik: Austausch auf Augenhöhe ist einer der schnellsten Wege, um die eigene Serviceerbringung besser und wiederholbarer zu machen. Das Barcamp-Format ermöglicht dir, deine Erfahrungen zu teilen, von anderen Teilnehmenden zu lernen, direktes Feedback für deine Ideen und Vorhaben zu bekommen sowie mit neuen Ideen, Impulsen und Lösungen für konkrete Problemstellungen nach Hause zu gehen.

Eine Erfolgsgeschichte seit 2015: Das Servicenerds.Camp

2015 hat mich dieses Veranstaltungsformat so begeistert, dass ich im Oktober 2015 das erste Barcamp für Servicemanagement veranstaltet habe. Damals hieß es noch SM-Camp – heute Servicenerds.Camp. Seitdem treffen wir Servicenerds uns zweimal im Jahr irgendwo in Deutschland. Meist sind wir zwischen 40 und 45 Teilnehmende. Im Oktober letzten Jahres hatte das Servicenerds.Camp sein 20. Jubiläum. Das war für mich ein sehr besonderer Moment. Es zeigt auch, wie wertvoll der Austausch für alle Teilnehmenden ist. Wir haben Menschen dabei, die immer wiederkommen, die bei jedem Camp dabei sind, und meist 50 % neue Teilnehmende. Das trägt zusätzlich zur Attraktivität der Veranstaltung bei.

Das nächste Servicenerds.Camp findet am 20. und 21. März in Hamburg statt. Es richtet sich an alle, die im Servicemanagement arbeiten und die Serviceorganisation in Unternehmen weiterentwickeln wollen. Alle Informationen findest du unter www.servicenerds.camp

Neu im Mai: Das erste MSP.Camp

Und weil ich genau diesen Austausch letztes Jahr auf MSP-Veranstaltungen vermisst habe, gibt es im Mai etwas Neues: das erste MSP.Camp. Ein Barcamp für Geschäftsführer, Technik- und Serviceleiter sowie alle, die im MSP- oder Systemhausbetrieb Verantwortung tragen. Das Ziel ist, dass wir an den beiden Tagen die MSP- und Systemhaus-spezifischen Themen miteinander diskutieren und am Ende alle mit Idee und Inspiration nach Hause gehen. Das Barcamp-Format ermöglicht dir, deine Erfahrungen zu teilen, von anderen MSPs zu lernen sowie gemeinsam Ideen und Lösungen für konkrete Problemstellungen im MSP-Geschäft zu entwickeln.

Das erste MSP.Camp findet am 07. und 08. Mai 2026 in Nürnberg statt. Ich habe es bewusst so gelegt, damit du vielleicht noch ein schönes Wochenende in Nürnberg verbringen kannst. Extra dafür gibt es auch den Partnerpreis. Da kann dein Partner auch an der Abendveranstaltung am Donnerstag teilnehmen. Alle Informationen findest du auf www.msp.camp. Die ständige Verbesserung der Serviceerbringung, des Service-Portfolios, der technischen, Vertriebs- und kaufmännischen Prozesse ist ein relevanter Beitrag für das Funktionieren deiner MSP-Servicefabrik. Beim MSP.CAMP bekommst du genau den Input, den du dafür benötigst.

Ist dieses Format das Richtige für dich?

Wenn du für dich prüfen willst, ob so ein Format für dich sinnvoll ist, helfen dir vielleicht diese Fragen:

  • Wo bekomme ich heute wirklich Impulse her – aus Vorträgen oder aus Gesprächen?
  • Mit wem kann ich offen über die Themen sprechen, die bei Kunden wirklich wehtun?
  • Wann habe ich das letzte Mal eine Idee mitgenommen, die am Montag tatsächlich etwas verändert hat?

Wenn du Lust hast, das Barcamp-Format selbst mal zu erleben, freue ich mich, wenn wir uns bei einem der beiden Camps sehen.

Bis dahin alles Gute aus der MSP-Servicefabrik.


Über den Autor

Robert Sieber ist Gründer und Geschäftsführer der MSP-Support GmbH. Mit seinem Unternehmen unterstützt er Managed-Service-Provider und Systemhäuser operativ im IT-Support – mit dem Ziel, Servicequalität und Kundenzufriedenheit im Tagesgeschäft dauerhaft sicherzustellen.

Gemeinsam den besten IT-Support für Deine Kunden!

Robert beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem operativen Betrieb von IT-Services, Standardisierung und wiederholbaren Abläufen in der Serviceerbringung. In seinem Podcast „MSP-Servicefabrik“ teilt er Erfahrungen und Erkenntnisse direkt aus der Praxis und spricht über Strukturen, Rollen, Regeln und Kennzahlen im MSP-Alltag.

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