In der letzten Folge habe ich folgenden Satz gesagt: „Guter Support entsteht nicht durch Zufall. Er entsteht durch klare Abläufe, saubere Übergaben und Menschen, die wissen, welche Rolle sie gerade haben.“
Mit diesem Satz wollen wir uns heute näher beschäftigen.
Meine These: Du hast guten Support. Deine Kunden sind zufrieden. Die Frage ist nur: zu welchem Preis.
Häufig haben wir das Verständnis, dass guter Support damit gleichzusetzen ist, dass alle Kundenprobleme möglichst sofort gelöst werden. Das führt dazu, dass der Support einen großen Einfluss auf das Tagesgeschäft bei dir im Unternehmen hat:
Haben die Kunden wenig Probleme, können deine Techniker in Ruhe ihren Tagesplan abarbeiten. Sie kommen mit den Projekten voran, können sich um länger laufende Tickets kümmern und haben auch mal Zeit für Weiterbildung sowie Neues. Sie fühlen sich wohl an solchen Tagen.
Dann gibt es die anderen Tage: Das Telefon klingelt ständig oder es kommt ein Ticket nach dem anderen rein. Deine Techniker arbeiten gerade mal 20 Minuten an einem Projekt und werden schon wieder gestört. Support geht vor! Doch niemand kommt so zu seiner „eigentlichen Arbeit“.
Die Wahrheit ist leider, dass die letzteren Tage bei vielen MSPs und Systemhäusern überwiegen. Zumindest bis du eine gewisse Wachstumsschwelle (Gespräch mit Olaf Kaiser) als Unternehmen überschritten hast. Ich kann dir aber gleich sagen, dass mehr Menschen im Unternehmen das grundsätzliche Problem nicht lösen. Seine Symptome sind dann nur andere.
Lass uns vorerst bei MSPs mit einer Personalstärke von bis zu 15 Mitarbeitenden bleiben. Was steht alles auf der To-do-Liste für die Mitarbeitenden:
Habe ich etwas vergessen?
Meistens machen alle Techniker alles. Unterschieden wird nach verschiedenen fachlichen Expertisen. Eine funktionale Trennung findet kaum statt. Das ist bei unter 15 Mitarbeitenden meist auch schwierig.
Kurz noch zu den fachlichen Expertisen: Die Breite des Geschäftes eines MSPs oder Systemhauses vergrößert das Problem noch. Gäbe es eine klare Fokussierung auf ein Thema, dann könntest du anders damit umgehen.
Die Menschen in deinem Unternehmen benötigen einen Rahmen, in dem sie sich bewegen, um genau das zu leisten, was die Kunden von ihnen erwarten. Wir dürfen nämlich nicht vergessen, dass deine Kunden dich nicht nur an der Supportqualität messen, sondern auch daran, dass die Projekte rechtzeitig fertig werden und die Services stabil laufen.
Es ist ein Zielkonflikt, den deine Mitarbeitenden überwiegend auf ihrem Rücken austragen. Ganz so schlimm, wie das gerade klang, ist es nicht. Es ist einfach die natürliche Entwicklung: Du hast dein Unternehmen allein oder mit zwei, drei Mitarbeitenden gegründet. Da ist es notwendig, dass alle alles machen. Das geht am Anfang auch gar nicht anders, weil erst mal die Kunden da sein müssen, um für Auslastung zu sorgen.
Zu diesem Zeitpunkt ist das Problem auch gar nicht da. Es wird nur langsam in kleinen Schritten immer größer. Mit der Langsamkeit gewöhnen sich auch alle daran und denken: Das muss so sein.
Folgende Symptome kannst du beobachten:
Jetzt reagieren viele Unternehmer mit mehr Personal. Das hilft für die erste Zeit auch. Allerdings bist du spätestens nach einem halben oder dreiviertel Jahr wieder an der gleichen Stelle.
Die gute Nachricht: Es liegt in der Regel nicht an den Menschen, die bei dir im Unternehmen arbeiten. Es ist häufig auch kein Kapazitätsproblem. Im Gegenteil. Wenn du da reinschaust, stellst du vielleicht fest, dass die abrechenbare Auslastung unter 50 % liegt.
Das Problem sind die fehlenden Strukturen. Diese sind mit dem Unternehmen nicht mitgewachsen.
Lass es mich zusammenfassen: Die Probleme im MSP-Alltag entstehen selten, weil Menschen zu langsam, unmotiviert oder nicht genügend qualifiziert sind. Sie entstehen, weil niemand klar entscheidet, wer wann welche Rolle übernimmt, wer wann woran arbeitet und welche Kennzahlen wirklich relevant sind, um deine Servicefabrik zu steuern.
Nimm das bitte nicht zu wörtlich. Es geht nicht um die großen Entscheider, sondern um Rollen, Prozesse und Verantwortlichkeiten, die den Mitarbeitenden einen Rahmen geben, in dem sie sich eigenverantwortlich bewegen.
Damit du unterscheiden kannst, ob du ein Kapazitäts- oder Strukturproblem hast, kannst du gern zu folgenden Fragen reflektieren:
Wenn du zu dem Punkt kommst, dass es kein Kapazitätsproblem ist, dann braucht dein Unternehmen ein gewisses Maß an Abläufen, Regeln, Rollen und Verantwortung.
Wenn du nach dieser Folge klarer siehst, ob euch Kapazität fehlt oder Struktur, dann hast du den wichtigsten ersten Schritt getan. Dein erster Schritt hin zur MSP-Servicefabrik. Was die Struktur ganz konkret sein kann, darüber sprechen wir in den nächsten Folgen.
Du erkennst in dieser Episode deine aktuelle Situation wieder und merkst, dass Support und Serviceerbringung im Alltag zunehmend Druck erzeugen, dann lohnt es sich, konkrete Entlastungsmöglichkeiten zu prüfen. Gern können wir uns dazu austauschen: Buche dir unkompliziert und schnell einen Termin.
Wir reden gern darüber. Ein 60-Minuten-Gespräch, unverbindlich.